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Das Buchmonster, Gespenster und monströse Gänsehaut

Überall Gespenster: Das Buchmonster hat sich hinter einem Bücherregal versteckt

Überall Gespenster: Das Buchmonster hat sich hinter einem Bücherregal versteckt

Irgendwo hinter dem Regal für Abenteuer-und Gruselbücher hockt das Buchmonster. Es wimmert ganz fürchterlich und hält sich seinen wuscheligen Bauch. „Ooooohhhhhh, Üüüüüühhhh“, jammert es. Der Vollmond scheint durch die Fensterscheiben der Bücherei. Das kleine Ungeheuer Knoblauch flattert herbei. Und sieht schon von Weitem, was es befürchtet hat: In dem Regal liegen nur noch hier und da ein paar Papierfetzen – die Bücher sind alle weg. Ratzfatz leergefuttert hat das Buchmonster all die Bücher voller Abenteuer und Gruselei. Da wundert es Knoblauch nicht mehr, dass das Monster solche Geräusche machte. Es hat viel zu viele Seiten, Sätze, Buchstaben und Buchdeckel im Bauch.

„Da, da, da, da „, stottert das Buchmonster plötzlich, sein blaues wuscheliges Fell steht vor Schreck zu allen Seiten ab. Es sieht ein bißchen so aus wie ein elektrischgeladenes Wollknäuel. „Ein…ein…GESPENST“, flüstert es dann so leise es kann. „Gespenst!“, kreischt es dann doch. Knoblauch erschreckt sich – nicht vor dem Gespenst, sondern dem Kreischen den Monsters. „Wo denn?“, flüstert Knoblauch irritiert zurück. „Neben der Ein…Ein…Eingangstür“, stottert das Monster, das sonst eigentlich nie stottert. „Ga…ga…ganz groß mit Armen, Knö…Knö…Knöpfen und einem schwarzen Kopf!“

Knoblauch glaubt nicht an Gespenster, schon gar nicht in der Bücherei. Er selbst ist außerdem ein kleines Ungeheuer, warum sollte er da Angst vor Gespenstern haben. Die sind sicher auch ganz nett. Deswegen fliegt Knoblauch seelenruhig in Richtung Büchereitür. Da sieht er es auch schon: Es ist grau, an beiden Seiten baumeln zwei lange Arme herab, es hat fünf Knöpfe und einen schwarzen Kopf. Doch dieser Kopf erinnert Knoblauch irgendwie an einen Hut.

Steht genau neben der Tür nicht der Garderobenständer? Knoblauch muss kichern und kneift dem Gespenst in die Seite. „Hey Buchmonster, komm schon, schau dir das Gespenst mal näher an! Das ist bloß ein Mantel, den ein Besucher hier vergessen hat, und ein alter Hut, der schon ewig an dem Garderobenständer neben der Tür hängt.“

Doch das Monster mit all seinen Grusel- und Abenteuerbüchern im Bauch traut sich nicht. Es starrt schon in die nächste Ecke und kreischt. „Ein…eine..eine… SCHLANGE!“ Knoblauch erschreckt sich diesmal so, dass er sich in dem Mantel verheddert und mit dem gesamten Kleiderständer umkippt. Das Gespenst ist damit vernichtet.

Das Buchmonster bekommt davon gar nichts mit, denn es starrt wie gebannt in die Ecke neben der Ausleihtheke. „Eine Schlage?“ wiederholt Knoblauch fragend und etwas genervt. „Sie…sie…sie ist ganz lang und dünn“, stottert das Monster. Wie um alles in der Welt sollte eine Schlange in die Bücherei kommen? Die Bibliothek liegt schließlich nicht mitten in einem Dschungel, sondern in einer kleinen Stadt. Offenbar hat das Buchmonster auch die Abenteuer von Indiana Jones gefuttert. Das ist ein Archäologe, der hin und wieder in seinen Abenteuern gegen gefährliche Schlangen und Spinnen kämpfen muss.

Knoblauch flattert schnell in die Richtung, in die das Buchmonster verschreckt starrt. Immer näher und näher kommt das kleine Ungeheuer der Ausleihtheke und dann sieht es die Schlange auch: Sie ist sehr dünn und lang, schlängelt sich neben dem Kopierer vorbei und…Knoblauch muss lachen: Die Schlange endet in einer Steckdose.

„Von wegen Schlange. Das ist das Kabel des Kopierers“, ruft Knoblauch dem Buchmonster etwas genervt zu. Doch das Buchmonster hört ihn schon nicht mehr, denn es hat sich ganz hinter ein Regal voller Bücher verkrochen. Die Bücher im Regal wackelt schon, so sehr zittert das Monster vor Angst und kreischt: „Eine…eine…eine Fledermaus!!“ Knoblauch kann im Mondlicht nichts dergleichen entdecken. „Wo?“, fragt er. Dann kommt eine flauschige Hand zwischen den wackelnden Büchern zum Vorschein und zeigt auf die Wand hinter Knoblauch. Das kleine Ungeheuer dreht seinen Kopf und tatsächlich: Er sieht zwei kleine Flügel, die in der Luft flattern. Dann muss er kichern.

Knoblauch will dem Monster helfen

Knoblauch will dem Monster helfen

„Oh Mann, das bin doch ich. Die Fledermaus, die du da siehst, das ist mein Schatten, den der Mondschein an die Wand wirft.“ Doch das Buchmonster will sich einfach nicht beruhigen lassen.

„Was nun?“, grübelt Knoblauch. Er ist so müde und will zurück auf den Dachboden, auf dem er und das Buchmonster wohnen, und endlich schlafen. Aber das große blaue Monster traut sich nicht hinter dem Regal hervor. Immer muss er dem verfressenen Monster aus der Patsche helfen, ärgert sich Knoblauch. Da es jetzt so zusammengekrümmt mit einer Gänsehau hinter dem Regal hockt, hat er allerdings doch ein bißchen Mitleid.

Warum hat das Buchmonster ausgerechnet so viele Gruselbücher verschlungen? Als Knoblauch sich in der Bücherei umschaut, entdeckt er im Mondlicht die Abteilung mit Comics und den lustigen Büchern. Und da hat er endlich eine Idee: All die Bücher könnten das perfekte Gegenmittel sein. „101 Kinderwitze und Scherzfragen“ steht auf einem besonders dicken Buchrücken.

Knoblauch fliegt zu dem Regal, das Buchmonster wimmert ängstlich und muss an all die Gespenster, Schlangen und Fledermäuse mit ihren spitzen Zähnen denken. Knoblauch schafft es mit letzter Kraft das Witzebuch aus dem Regal zu ziehen, damit zum Buchmonster zu flattern und es fallen zu lassen. „Bäääm“, macht es und das Monster quietscht vor Schreck. Doch es liebt das angenehme Kribbeln von Witzebüchern im Bauch so sehr, dass es dieses dicke Buch trotz all seiner Angst und seines vollen Bauchs umbedingt noch verspeisen will. Mit nur einem Bissen hat es die vielen Seiten auch schon verschlungen.

Sofort breitet sich ein Kitzeln in seinem Magen aus. Die Gänsehaut unter dem dicken blauen Fell verschwindet und mit ihr auch alle Gespenster, Schlangen und Fledermäuse aus der Bücherei. „Nur gut, dass uns all die Gruselwesen nichts getan haben“, sagt das Monster dann zufrieden. Bevor die beiden endlich schlafen gehen, muss es Knoblauch noch eines versprechen: Dass es nie wieder so viele Grusel- und Abenteuerbücher auf einmal essen wird!

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