Piraten, Goldschätze und ganz viel Sonne – der letzte Teil der Reise

Knoblauch auf der Honiginsel Platsch! Knoblauch spritzt eine riesige Welle warmes salziges Wasser ins Gesicht. Puh, wo kommt das denn her? Komisch, und jetzt schaukelt der Boden auch noch, bemerkt das kleine Buchmonster ganz erschrocken. Es öffnet schnell seine Augen und muss ein wenig blintzeln, denn es blickt direkt in das grelle Licht der Mittagssonne. Knoblauch sitzt noch immer in dem pinken Rucksack, der es zu Ilha do Mel, der Honiginsel in Brasilien bringen sollte. Dort hofft das kleine Ungeheuer, endlich das goldene Meer zu finden, von dem es in Deutschland in einem brasilianischen Kinderbuch gelesen hat. Doch anstatt auf einer Insel hockt Knoblauch jetzt erst einmal in einem Rucksack auf einem wackeligen Boot und hat ein klitzekleines bisschen Heimweh nach dem großen Buchmonster.

Das sitzt nicht in der heißen Sonne Brasiliens, sondern viele Flugstunden entfernt auf dem kühlen Dachboden mit all den köstlichen Büchern. Platsch! Schon wieder ist Wasser in das Boot geschwappt. Wenigstens eine kleine Abkühlung, denkt Knoblauch und sieht sich um.

Wenn das kleine Monster aus dem Boot hinausschaut, sieht es links und recht nur blaues Meer – aber das Wasser glitzert kein bisschen goldfarben! Wenn Knoblauch nach vorne schaut, durch die Scheibe hinter dem hölzernen Steuerrad des Boots, dann sieht es ein großes weiß gestrichenes Haus auf einer grünen Insel. Was könnte das nur sein? Da entdeckt Knoablauch ein blaues Eingangstor. Oben auf dem Haus sind kleine Türmchen.

Je näher das Boot der Insel kommt, je deutlicher ist das Gebäude zu erkennen, die Farbe blättert ein wenig von den Wänden ab. Es muss schon ziemlich alt sein. Plötzlich erkennt Knoblauch, was er da am Strand sieht und ihm bleibt vor Begeisterung der Mund offen stehen: Eine echte Burg steht direkt am Meer – nicht aus Sand, sondern mit hohen Mauern, riesig groß, einem Burgtor und Wachtürmen. Knoblauch klettert heimlich aus dem Rucksack und flattert mit seinen Ohren leise vom Boot und das letzte Stück über das Meer bis an den Strand.

Auch Buchmonster müssen sich gut eincremen, um nicht von der Sonne verbrannt zu werden

Auch Buchmonster müssen sich gut eincremen, um nicht von der Sonne verbrannt zu werden

Das kleine Monster gleitet durch das Burgtor und fliegt zu einem der Wachtürme. Sogar echte Kanonen stehen oben auf der Festung. Ob hier Piraten leben? Oder Ritter? Vielleicht ist an der Küste ganz viel Gold gelagert, ein richtiger Schatz, der das Meer goldfarben glitzern lässt, denkt Knoblauch. Das Heimweh ist wie weggeblasen. Das kleine Buchmonster fliegt ganz leise durch die Burg – schließlich können Piraten auch gefährlich sein – und sucht nach ihren Bewohnern.

Doch anstatt Menschen in Blechrüstung oder einäugigen Seemännern begegnet Knoblauch nur ein paar Kindern und einigen Erwachsenen, die in Badehose und Bikini über die alten Mauer klettern. Einen Schatz? Den kann Knoblauch nicht einmal im hintersten Winkel der Festung finden.

Vielleicht ist der Schatz tatsächlich vor der Burg im Meer versenkt worden, überlegt das kleine Ungeheuer. Es kann kaum erwarten, all die Münzen im Meer glänzen zu sehen. Ganz nah lässt sich das Monster über die Wellen gleiten. Es sieht ein paar Fische, die schnell wegschwimmen, sobald Knoblauchs Schatten sich nähert. Doch das Wasser ist höchstens bläulich, hier und da sieht es etwas braun aus, weil die Fische den Sand aufwirbeln. Aber ganz sicher ist das Meer nicht goldfarben verfärbt! Keine noch so kleine Münze sieht Knoblauch unter der Wasseroberfläche glänzen.

Verschwitzt und traurig lässt sich das kleine Monster in den Sand fallen. So eine Enttäuschung, weder Goldmünzen im Wasser, noch ein Meer aus goldenem Honig gibt es hier auf der Honiginsel – wo könnte dieses goldene Meer nur sein? Knoblauch beschließt unter einem Baum eine Pause zu machen. Die Sonne brennt immer heißer vom Himmel. Da muss sich auch ein kleines Buchmonster eincremen – vor allem die großen Flugohren. Zum Glück gibt es hier genug Leute, von denen es sich etwas Sonenschutzcreme stibitzen kann. Noch während die Creme einzieht, schlummert das Monster schon unter dem Baum ein.

Irgendwann wird Knoblauch von einem leichten Windstoß geweckt. Es ist ein wenig kühler geworden, bestimmt ist es schon Abend, denkt das kleine Monster. Es rappelt sich auf, öffnet langsam die Augen und sieht… Nein, das kann nicht sein! Unmöglich! Das Meer hat sich ganz und gar, ja geradezu komplett und bis zur kleinsten Welle in flüssiges Gold verwandelt. Goldenes Wasser schwappt ein paar Meter vor Knoblauch an den Strand. Wie ist das nur passiert?

Um Knoblauch herum stehen ganz viele Menschen und machen Fotos. Jetzt kann er nicht mehr warten. Knoblauch flattert mit den Ohren und fliegt sofort hinaus über das goldenen Wasser. Es lässt sich darüber gleiten und taucht seine Füßchen hinein. Wie das große Buchmonster staunen wird, wenn Knoblauch mit goldenen Füßchen zurückkehrt. Das Wasser ist immer noch warm. Aber kleben bleibt die goldene Farbe nicht an Knoblauchs Fell.

Endlich: Knoblauch flattert über das goldenen Wasser

Endlich: Knoblauch flattert über das goldenen Wasser

Fassungslos fliegt Knoblauch lange Zeit über das Wasser und ist überglücklich, dass er endlich das goldene Meer gefunden hat. Doch dann passiert etwas Merkwürdiges: Ganz langsam wird das goldene Wasser schwarz. Der goldenen Schimmer verschwindet einfach. Schade!

Aber das kleine Monster ist nicht traurig, denn endlich weiß es, warum es das goldene Meer so lange suchen musste: Knoblauch hat auf seiner Reise immer die Sonnenuntergänge verschlafen. Denn die verzaubern das Meerwasser in flüssiges Gold – wie in dem brasilianischen Kinderuch auf dem Dachboden in Deutschland.

Jetzt kann Knoblauch endlich wieder zum großen Buchmonster zurückfliegen. Bei einem leckeren Bücheressen hat das kleine Monster bestimmt viel zu erzählen.

Hier findest du die anderen Teile der Reise:

Teil 1: Ein kleines Buchmonster reist zum goldenen Meer

Teil 2: Frische brasilianische Bücher nach 16 Stunden im Himmel

Teil 3: Ekelige Schlaffrüchte und Kokosnüsse mit Strohhalm

Teil 4: Goldene Bücher am Meeresboden

Teil 5: Ein Bücherwaggon, böse Hexen in Brasilien und das Honigmeer

Geschrieben von Sonja Gillert.