Interview mit Felix-Erfinderin: „Ich bin von Ideen umzingelt“

Die Schriftstellerin Annette Langen zusammen mit Felix und der Motzkuh © Andreas Kühlken

Die Schriftstellerin Annette Langen zusammen mit Felix und der Motzkuh © Andreas Kühlken

Einen Kuschelhasen, Kühe, Ritter und Drachen – im Kopf der Schriftstellerin Annette Langen wirbeln jede Menge Ideen für neue Geschichten umher. Über 70 Kinderbücher hat sie schon geschrieben. Besonders bekannt sind die Abenteuer des reiselustigen Hasen Felix, die sie sich ausgedacht hat. Die Bücher über Felix wurden sogar für Kinder in Japan, Israel, Großbritannien und vielen anderen Ländern übersetzt. Im Interview verrät sie dem Buchmonster, wie sie auf all die Ideen kommt, warum sie über einen Stoffhasen geschrieben hat und wie du selbst eine Geschichte zu Papier bringen kannst.

Dein Buchmonster: In diesem Monat ist Ihr neues Buch „Ritter Wüterich und Drache Borste büxen aus“ erschienen. Wie kommen sie immer wieder auf neue Ideen für ein Buch?

Annette Langen: Ich glaube, ich bin von Ideen umzingelt, sie begegnen mir im Alltag. Manchmal greife ich Aussagen von Kindern auf, oder ich stelle mir die Frage: Was wäre, wenn…? So habe ich es auch bei Ritter Wüterich gemacht und mir überlegt: Was wäre, wenn Wüterich all seine Waffen von sich werfen und schutzlos in den Wald galoppieren würde? Was passiert, wenn er dort auf einen Drachen trifft?

Ein anderes Buch von mir, das in diesem Sommer erschienen ist – „Sommer mit Delfin“ – beruht auf einer wahren Begebenheit. Es handelt von einer Begegnung zwischen einem wildlebenden Delfin und einem Mädchen, die tatsächlich in den 50er-Jahren so in Neuseeland passiert ist.

Dein Buchmonster: Ihr bekanntestes Buch handeln von einem Stoffhasen, der Felix heißt, um die Welt reist und in Briefen an seine Besitzerin Sophie über seine Erlebnisse berichtet. Wie sind Sie darauf gekommen, über ein Kuscheltier zu schreiben?

Annette Langen: Dir kann ich es ja verraten: Ich musste mir gar nicht viel ausdenken, denn drei der wichtigsten ‚Zutaten’ aus „Briefe von Felix“ sind Teil meines eigenen Lebens: Der Hase, das Reisen und das Briefeschreiben. Ich habe wie Sophie im Buch zur Geburt einen Kuschelhasen bekommen, der für mich richtig wichtig war … und ja, zugegeben, zu Grundschulzeiten war er in meiner Fantasie lebendig. Meine Eltern haben uns zusammen auf einige Reisen mitgenommen. Und später, als Jugendliche, hatte ich auf der ganzen Welt Brieffreunde. Weißt du, ich kann besonders gut über das schreiben, was ich kenne oder selbst erlebt hat.

Dein Buchmonster: Felix gibt es schon seit 20 Jahren und er hat viel von der Welt gesehen. Gibt es noch ein Land, in das er in Zukunft aufbrechen wird?

Annette Langen (lacht): Oh ja, aber mehr kann ich nicht mehr verraten. Nur so viel: Ich habe gerade eine Recherchereise gemacht und war im Schnee!

Ritter Wüterich und Drache Borste büxen ausDein Buchmonster: In Ihrem neuen Buch geht es um zwei ganz unterschiedliche Freunde: einen Drachen und einen Ritter. Ihre Eltern wollen nicht, dass sie miteinander spielen, weil bewaffnete Ritter für Drachen und feuerspuckende Drachen für Ritter eigentlich gefährlich sind. Hat sie etwas aus ihrem Leben zu dem Buch inspiriert?

Annette Langen (lacht wieder): Ritter Wüterich hat ein lebendes Vorbild. Aber wer das ist, wird nicht verraten.

Dein Buchmonster: Warum haben Sie sich denn für einen Ritter und einen Drachen entschieden? Die kommen sonst eher in ganz alten Geschichten vor.

Annette Langen: Ritterburgen mit Zugbrücke und hohen Mauern fand ich als Kind immer sehr faszinierend und ich glaube, dass das vielen Kinder auch so geht. In dieses Szenario habe ich dann den kleinen Ritter Wüterich gesetzt, der so viele Vornamen wie uralte Vorfahren hat. Wüterich brauchte einen Gegenspieler und das ist der Drache Borste.

Dein Buchmonster: Gibt es Tage, an denen Ihnen einfach keine Ideen einfallen?

Annette Langen: Dass ich keine Ideen habe, das ist sehr selten. Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt, so dass mir immer wieder etwas Neues auffällt. Aber es gibt Tage, an denen ich an einem neuen Buch schreibe und schreibe, aber nichts gefällt mir. Dann lösche ich es und schreibe es nochmal … Wenn es endlich Abend ist, hab ich dann richtig schlechte Laune. Es gibt leider kein Messinstrument für Autoren, das deutlich anzeigt, wann eine Geschichte gut und wann sie schlecht ist. Das muss jeder selbst entscheiden. Das ist auch das Schwere am Schreiben. Ich persönlich finde, gute Bücher berühren die Seele.

Dein Buchmonster: Was würden Sie Kindern raten, die eine Geschichte im Kopf haben und sie gern aufschreiben möchten?

Annette Langen: Mein erster Tipp ist: Stell dir vor dem Schreiben die Handlung ganz genau vor, bis du sie wie einen kleinen Film im Kopf hast. Und mein zweiter Tipp kommt von dem Dichter Johann Wolfgang von Goethe. Der hat gesagt: „Schreibe so, wie du reden würdest. Dann wird es gut.“

Dein Buchmonster: Wollten Sie schon als Kind Autorin werden?

Annette Langen: Ja, willst du wissen, wie das kam? Also, ich bin in einer Buchhändlerfamilie aufgewachsen. Meine Eltern haben oft Schriftsteller zu Lesungen eingeladen. Als Kind habe ich zuerst gedacht, Autoren würden über den Dingen schweben und dort ihre Bücher schreiben. Aber als ich sieben Jahre alt war, war ein Schriftsteller mit seiner Familie bei uns zum Abendessen. Plötzlich kippte seinem Sohn die Teetasse um. Das Missgeschick hat mir gezeigt, dass Autoren ganz normale Menschen sind! Danach wollte ich einen ganzen Sommer lang Schriftstellerin werden und habe in den Ferien einige Erlebnisse aufgeschrieben. Aber zwischendurch hatte ich noch viele andere Ideen, welche Berufe ich machen könnte.

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