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Tiefkühl-Bücher schmecken nicht

Das Buchmonster und Knoblauch vor der Schneeballschlacht

Das Buchmonster und Knoblauch vor der Schneeballschlacht

Das blaue kuschelige Buchmonster und sein kleiner fliegender Freund Knoblauch haben in dieser Woche voller Schnee einiges erlebt. Was, das kannst du hier lesen oder unter dem Text anhören:

„Aua…auuuuua!“, brüllte das Buchmonster laut und warf ein Kinderbuch in hohen Bogen in die Ecke des Dachbodens. Knoblauch, der immer neben seinem Kopf umherflattert, hatte vor Schreck sogar vergessen mit den Flügeln zu schlagen. Plumps, war er mit seinem Po im weichen struppigen Fell des Monsters gelandet. „Aua…“, winselte das Buchmonster immer noch und hielt sich mit seiner Tatze das Maul.

Was war nur passiert? Eben war das Monster doch noch ganz fröhlich gewesen. Schließlich glitzerte seit Tagen eine dicke Schneeschicht auf den Straßen der Stadt. Zusammen mit Knoblauch hatte es den ganzen Tag eine Schneeballschlacht gemacht. Das findet das Buchmonster fast genauso großartig wie ein leckeres frisch gedrucktes Buch. Doch jetzt hatte es Hunger. Dagegen helfen auch Tonnen von Schnee nicht. Aber die Bücher auf dem Dachboden, auf die sich das flauschige Ungeheuer so gefreut hatte, waren ungenießbar.

„Wie ein Stein, wie ein harter kalter Stein, hat das geschmeckt“, jammerte es. Knoblauch flatterte zu dem Buch, das das Monster in die Zimmerecke geworfen hatte und wollte es aufschlagen. Doch es konnte den Buchdeckel nicht öffnen. So sehr es flatterte und drückte – es ging einfach nicht. Als hätte jemand Kleber zwischen die Seiten geschmiert, so fest hielten sie zusammen. Auf dem Buchdeckel sah man den Abdruck der Zähne des Buchmonsters. Das tapste zu dem Karton mit den Büchern und griff nach einem anderen Leckerbissen. Doch auch der ließ sich nicht öffnen. Hatte tatsächlich jemand seine Bücher in Steine verzaubert?

Als es das Buch ins Mondlicht hielt, das durch das Dachbodenfenster schien, sah es plötzlich etwas auf dem Buchdeckel glitzern. Es sah aus wie winzige weiße Sterne.

Knoblauch setzte sich auf die haarigen Schulter des Monsters und dachte nach. Schön warm war es dort. Dann kam ihm eine Idee – die Sterne kannte er doch von irgendwo her. „Die glitzernden Sterne sind vielleicht Eiskristalle“, überlegte es laut. „So wie am Fenster, wenn es ganz kalt ist“, erklärte es weiter. „Ich fürchte, die Bücher sind alle eingefroren, so kalt und nass wie es hier oben immer ist“, sagte Knoblauch dann.

„Ein Eiskristall?“, wiederholte das Buchmonster und starrte in eine der Kisten. Im Licht des Mondes sah man plötzlich, dass ganz viele Bücher schimmerten. „Meine Bücher sind jetzt Tiefkühlpizzen?“, sagte das Monster entsetzt und sah sich hilfesuchend auf dem Dachboden um.

Was nun? Die Menschen streuen immer Salz oder Kieselsteine auf das Eis auf den Bürgersteigen und Straßen, dachte Knoblauch. Auf dem Dachboden gab es auch eine große weiße Kiste voller Salzkörner. „Gegen Glatteis“ stand darauf. Vielleicht würde das helfen.

Knoblauch rief das Buchmonster zu sich und zusammen streuten sie ganz viel Salz auf eines der Bücher. Gespannt warteten die beiden ein paar Minuten. Das Buchmonster konnte sich kaum beherrschen, so einen Appetit hatte es. Dann biss es genüsslich in das Buch. Doch sofort spuckte es das Buch wieder in hohem Bogen aus. „Iiiiiiiiih…wäääääh“, schrie es. „Das schmeckt viel zu salzig und ist immer noch hart wie ein Stein.“

Knoblauch dachte weiter nach. Irgendeine Lösung fiel ihm doch sonst immer ein. Tiefkühlpizza stecken die Menschen immer in den Backofen, um sie aufzutauen. Aber da ist es für Bücher viel zu warm. Und einen Fön hatten die beiden auch nicht, mit dem sie die Seiten auftauen könnten.

Vollkommen erschöpft lehnte sich das Monster an die Bücherkartons. „Was sollen wir nur machen?“, murmelte es Knoblauch zu. „Ich habe so Hung…“ Und noch bevor es den Satz beenden konnte, war es eingeschlafen. Knoblauch hatte noch ein paar Papierschnipsel auf dem Boden gefunden, kuschelte sich in das warme Bauchfell des Monsters und knabberte an den kalten Buchresten. Und schon war auch er eingeschlafen.

Am nächsten Morgen kitzelte das Buchmonster etwas an der Nase – so sehr, dass es niesen musste. „Hatschi.“ Es öffnete die Augen und sah: Die Sonne kribbelte so in seinem Gesicht.

Jetzt ein leckeres Frühstück war sein erster Gedanke. Doch dann musste es wieder an die Eissterne denken und die fürchterlichen Zahnschmerzen, die es am Abend hatte. Es rappelte sich von den Bücherkisten auf und blickte enttäuscht hinein.

Doch wo waren die Sterne? All der Glitzer auf den Büchern war weg. Verwundert griff das Monster in die Kiste und zog einen Krimi heraus. Ganz ohne Mühe schlug es die Seiten auf. Tatsächlich waren alle Bücher wieder aufgetaut. Mit seinem Fell hatte das Buchmonster nicht nur Knoblauch gewärmt, sondern auch die Bücher in der Kiste.

Das Buchmonster hatte dafür allerdings eine andere Erklärung: „Ich glaub, ich habe Zauberkräfte“, sagt es begeistert. „Ich habe die Sterne weggezaubert.“ Seinen Hunger hatte das Monster vor Aufregung ganz vergessen.

Hier kannst du dir die Geschichte auch anhören:

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